Skip to content
23. Dezember 2010 / sehnsucht2010

Wenn man einem Engel hilft…

Wenn man einem Engel hilft…

Es war ein wunderschöner 23. Dezember-Tag. Es war der besondere Tag vor einem Weihnachten, an dem es passierte: ein Engel verirrte sich zu der Familie Engelhardt. Nun, es war ja ein Zufall, dass dieser Engel, ausgerechnet bei einer gleichnamigen Familie landete. Oder etwa nicht? Vielleicht war es gerade der Name, der den Engel dort landen ließ, um zu fragen, wo es denn zum Morgenstern gehe. Dort steht nämlich die große Weihnachts-, Geburtstags-, Gebet- und Sonstige-Wünsche-Fabrik. Dort landeten alle Wünsche, vom Puppenhaus, übers Rennauto, bis hin zu „Bitte lass Mau (unseren Kater) nicht sterben!“. Dort wurden von fleißigen Engeln die Wünsche sortiert, von „wichtig“ bis „nicht erfüllbar“. Und genau dieser noch junge Engel hatte sich verirrt. Er flog durch die, wie mit Zucker bestreuten, Baumwipfel und hielt Ausschau nach dem einzigen Tannenbaum in mitten der kahlen Laubbäume. Er flog und flog und entdeckte plötzlich ein kleines Haus, inmitten einer Lichtung. Ihr müsst wissen, Herr Hauser war Förster. Und er war schon so erschöpft, und das Haus sah so schön gemütlich aus, da konnte er nicht anders, als er sich in den Schnee plumpsen ließ, entstand der berühmte Schneeengel, reingedrückt in frischen Schnee. Das ist nämlich die Landung, von jungen Engeln. Die Menschen-Kinder haben das nachgemacht, aber das ist eine andere Geschichte. Wie er da so vor der Türe stand, und schnupperte –es roch gar köstlich nach Plätzchen- und überlegte, ob er klopfen sollte, hörte er von innen aufgeregte Kinderstimmen: „Mami! Mami! Bekommen wir einen Keks? Bitte!“ Eine weibliche, freundliche Stimme antwortete: „Nur einen! In einer Stunde gibt es Abendessen! Solange geht ihr aber nach draußen. Hier eure Mützen!“ Etwas zischte durch die Luft. (Ihr müsst wissen, Engel haben ein außerordentlich gutes Gehör, damit sie auch den leise gemurmeltesten Wunsch hören konnten. Das müssen sie, denn nicht alle kamen auf die Idee einen Brief an die Wunsch-Fabrik zu schreiben.) Die Tür flog auf –zum Glück nach innen- und zwei kleine Jungs stürzten hinaus. Sie glichen sich wie ein Ei dem anderen. Es waren Zwillinge. Eineiige sogar. Der Engel rettete sich mit einem Sprung zur Seite. Die Jungen blieben verdutzt stehen. „Wer bist du?“, krähte der Linke. Ruhig, gesittet und freundlich, wie es die Art eines Engels war, antwortete er: „Ich bin Raffaelo. Ein junger Engel. Ich habe mich verirrt. Könnt ihr mir helfen?“ Die Jungs schauten sich an. „Wohin willst du denn?“, fragte der Rechte. „Zur großen Weihnachts-, Geburtstags-, Gebet- und Sonstige-Wünsche-Fabrik. Aber zuerst muss ich die große Tanne finden. Helft ihr mir bitte?“, ruhig, mit schier unendlicher Geduld fragte Raffaelo auch das. „Okay. Dir scheint das sehr wichtig zu sein. Wie schnell musst denn da sein? Wir haben nur eine Stunde.“, willigte der Linke ein. Da öffnete der Rechte den Mund: „Wir haben nur noch 50 Minuten.“, und an Raffaelo gewandt, „Was ist eine große Weihnachts-, Geburtstags-, Gebet- und Sonstige-Wünsche-Fabrik?“ „Genau! Erklär uns das! Aber auf dem Weg.“, verlangte der Linke und ging ein paar Schritte voraus. Vor dem Schneeengel blieb er stehen. „Das warst du.“, stellte der  Rechte fest. Raffaelo fiel auf, dass sie immer abwechselnd sprachen. „Ja. So landen junge Engel. Wie heißt ihr eigentlich?“, fragte er beiläufig, aber interessiert. „Tim und Tom!“, quäkte Linke. „Ich bin Tim.“, stellte sich der Rechte im Laufen vor. Sie mussten sich beeilen, wenn sie noch vor dem Abendessen da sein wollten. Tom und Raffaelo liefen eilig hinterher. Wobei Raffelo keine Spuren hinterließ. Nur bei der Landung berührten Engel den Boden. Er schwebte immer einen Millimeter über dem Boden. Sie kamen schnell voran. Nach einiger Zeit sahen sie einen grünen Schimmer zwischen den Bäumen aufleuchten. Tim, Tom und Raffelo beschleunigten. Schnell standen sie vor einer riesigen Tanne. Als der Engel sie berührte stob Schnee auf. Er rief schnell noch seinen neuen, jungen Freunden zu: „Tschüs! Danke für eure Hilfe! Kommt morgen wieder hier her! Bitte!“ Und er verschwand. Die Zwillinge winkten. Dann liefen sie zurück.

Als sie am nächsten Tag aufwachten, liefen sie runter und in die Küche, wo es schon festlich geschmückt war. „Es gibt erst heut Abend Geschenke!“, mahnte die Mutter. „Mami… Dürfen wir noch eine Stunde draußen spielen?“, fragte Tom, und zwinkerte Tim zu. „Oh ja! Bitte!“ „Na gut.“ „JA!“ Beide sprangen auf, zogen sich die Winterkleidung an und liefen zu dem Baum. Was sie dort sahen, war unbeschreiblich: Der Baum hing voller Kugeln und Nüssen, Süßigkeiten und kleinen Tabletts mit Vogelfutter, unten drunter lagen Heu und Möhren, Äpfel und Körner, so konnten auch die kleinsten Tiere essen, die Hirsche und Rehe es sich schmecken lassen. Die Zwillinge entdeckten zwei Geschenke an den unteren Ästen mit den jeweiligen Namen der beiden. Aber das beste war noch, das ganz viele Tiere da waren, Eichhörnchen, Rehe, Hirsche, alle möglichen Vogelarten, Schneehasen, sogar ein Fuchs kam angetrabt! Aber er zerfleischte kein Tier, er probierte sogar Möhren, die er sofort wieder ausspuckte! Die beiden Kinder fühlten sich, als wären sie Aliens, aber die Tiere liefen nicht wie gewöhnlich weg, sonder aßen weiter, als sie sich die Geschenke vom Baum nahmen. Vorsichtig wickelten sie die Päckchen aus. „Hey, was hast du?“, wisperte Tim Tom zu. „Ich hab Schlittschuhe und eine Karte von Raffaelo. Soll ich vorlesen?“, antwortete Tom leise. „Ich auch! Lies mal vor. Vielleicht steht da das gleiche drauf.“ „Also: Liebe Zwillinge,  seht ihr, was die Fabrik bewirken kann? Ich wusste, dass ihr Schlittschuh laufen lernen wolltet. Und das ihr immer mal einen Fuchs sehen wolltet. Ich wette er ist grad angetrabt. Schön nicht? Jetzt sind eure Wünsche erfüllt, aber noch viele andere warten. Kommt jedes Jahr hierher. Passt auf diesen Baum auf. Er ist was Besonderes. Und nächstes komme ich wieder. Danke für eure Hilfe, Rafaelo. Hast du das auch?“ „Ja.“, antwortet Tim. „Komm, lass uns unsere Schlittschuhe ausprobieren!“ Lachend liefen sie davon. Den Baum im Hinterkopf, die Sehnsucht auf nächstes Jahr im Unterbewusstsein.


Von Muriel, 6b, Marienschule Münster

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: